Träger des Georg-Friedrich-Händel-Rings Horst Müller verstorben Drucken

Trauer um einen langjährigen Wegbegleiter des Verbandes Deutscher KonzertChöre

Thumbnail imageWie die Singakademie Potsdam mitteilte, ist Horst Müller, langjähriger Leiter des Chores, am 12. September 2020 im Alter von 86 Jahren verstorben.

VDKC-Präsident Ekkehard Klemm äußerte seine tiefe Betroffenheit: „Mit Horst Müller ist eine Legende der Chormusik von uns gegangen! Ein Dirigent, der seine Heimat im Prinzip nur zu Gastspielen mit seinen Chören verlassen hat: In Babelsberg geboren, in Berlin studiert, in Potsdam als Dirigent gearbeitet ein Leben lang, in Berlin unterrichtet – auch ein Leben lang! Prägend wie seine musikalische Arbeit war seine Tätigkeit als Kulturpolitiker, die er stets nutzte, um dem Chorgesang zu dienen und ihn leidenschaftlich zu fördern. Er war der erste Händelringträger aus dem Osten Deutschlands – nicht nur nach 1989, sondern seit Einführung der bedeutenden Auszeichnung im Jahre 1960. Das erzählt viel über die Bedeutung und Kraft dieses Menschen, dessen Herzlichkeit wir nicht zuletzt in unserem Verband vermissen werden! Wir trauern um einen wundervollen Menschen und Musiker.“

Weggefährten von Horst Müller würdigen den Verstorbenen:

Reinhold Stiebert, Ehrenpräsident des VDKC:
Die Nachricht vom Tod Horst Müllers hat uns alle sehr betroffen gemacht. Wir haben mit ihm einen der letzten großen Chordirigenten verloren, die die Chorszene der ehemaligen DDR nachhaltig beeinflussten – auch für mich selbst war er Lehrer, Freund und verständnisvoller Begleiter in meiner eigenen künstlerischen Entwicklung. Ich werde ihn als humorvollen Kollegen, geschätzten Künstler und nachsichtigen Freund sehr vermissen.

Vor allem als langjähriger Dozent des Chorleiterseminars Berlin haben Generationen junger Dirigenten von seinem Können profitiert und seine kritische und humorvolle Art geschätzt. Die Bedeutung Horst Müllers für die Arbeit des Verbandes Deutscher KonzertChöre in der Zeit nach der politischen Wende als Initiator eines einheitlichen VDKC und wichtiger künstlerischer Berater wurde mit der Verleihung des Georg-Friedrich-Händel-Rings zu Recht gewürdigt.

Wir verlieren eine bedeutende Persönlichkeit des Musiklebens – Horst Müller hinterlässt eine große Lücke. Wir werden uns immer in Dankbarkeit an ihn erinnern.

Angelika Paul, Vorsitzende der Singakademie Potsdam:

„Ohne Musik wäre alles nichts.“ – dieser W. A. Mozart zugeschriebene Satz könnte das Lebensmotto unseres ehemaligen Chorleiters Horst Müller gewesen sein. Unser Ehrendirigent Horst Müller hat über fünf Jahrzehnte unseren Chor geleitet, geformt, gefordert und für ihn gelebt. 1958 übernahm er den Potsdamer Madrigalkreis und entwickelte daraus einen Großen Chor, dessen Leistungen 1969 mit dem Titel Singakademie Potsdam gewürdigt wurden. Bis zum Jahre 2003 leitete und prägte Horst Müller entscheidend den Sinfonischen Chor und den Kammerchor der Singakademie. Mit ihm erreichte die Singakademie zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, vor allem aber viele unvergessliche Konzerterlebnisse.

Horst Müller bewirkte 1990 die Mitgliedschaft im VDKC und wurde Präsident des VDKC-Landesverbandes Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern. Auch über seine aktive Chorleiterzeit hinaus vertrat er mit Leidenschaft unsere Interessen im Künstlerischen Beirat des VDKC.

Mit einer Gedenkveranstaltung werden wir sein Leben und Wirken für unsere Singakademie ehren.

Prof. Dr. Eckart Lange, Präsident des VDKC-Landesverbandes Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen a.D.:

Es gibt gewiss nicht viele Menschen, denen Musik – in diesem Fall die großen chorsinfonischen Werke der Musikgeschichte – so viel bedeutet hat, wie Horst Müller. Und als sein ehemaliger Schüler gab es auch nach vierzig Jahren immer noch etwas Neues im Gespräch mit ihm zu entdecken, gab es Hinweise auf spezielle Interpretationen oder auf herausragende Konzerterlebnisse. Prägend war nicht nur sein exzellenter Unterricht an der Berliner Eisler-Musikhochschule, sondern auch die wunderbaren Aufführungen mit der Potsdamer Singakademie, wo er sich sowohl für das klassische chorsinfonische Repertoire als auch für musikgeschichtliche Entdeckungen stark gemacht hat. So hat er wohl viele seiner zahlreichen Schüler und seiner Chorsängerinnen und –sänger in bislang ungeahnte musikalische Welten geführt. Unvergessen seine praktische Arbeit z.B. beim Berliner Chorleiterseminar, als er uns allesamt geduldig die Einleitung zu Haydns Jahreszeiten dirigieren ließ und irgendwann, nachdem der Eindruck entstanden war, es geht eigentlich ganz gut so, sich selbst ans Pult stellte und – ganz unspektakulär – zeigte, was wirkliche Meisterschaft ist. Mit großer Dankbarkeit denke ich an meinen verehrten Lehrer und späteren Freund Horst Müller.

VDKC
16.09.2020