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Carl Orff: „De temporum fine comoedia” Drucken E-Mail

Eine Entdeckungsreise des Hans-Sachs-Chores Nürnberg zu diesem Werk

Die Vorgeschichte
Thumbnail imageIm Oktober 2018 erhielt der Hans-Sachs-Chor Nürnberg Kenntnis vom Aufruf der Carl-Orff-Gesellschaft, sich am Carl-Orff-Jahr 2020 zu beteiligen. Als mir unser Chorleiter Professor Rumstadt dann im Januar 2019 vorschlug, in das Frühjahrsprogramm 2020 des Hans-Sachs-Chores als Beitrag zum Carl-Orff-Jahr und als Nürnberger Erstaufführung dieses Werk aufzunehmen, musste ich mich erst einmal sachkundig machen. Bisher hatte der Chor nur die Carmina Burana und Catulli Carmina in seinem Aufführungsverzeichnis.

Bei der vorbereitenden Auseinandersetzung mit dem letzten Bühnenstück von Carl Orff kam dann mehr und mehr Respekt auf und veranlasste mich, den Chorleiter zu fragen: „Traust du das dem Chor zu?“ Als diese Frage mit „ja“ beantwortet wurde, begannen die intensiven Vorbereitungen. Seit der Uraufführung in Salzburg im Jahre 1973 unter der Leitung von Herbert von Karajan wurde „De temporum fine comoedia” in seiner szenischen Konzeption sehr selten aufgeführt. Ich habe sehr zeitnah den Kontakt mit dem Carl-Orff-Zentrum München, Herrn Dr. Thomas Rösch, gesucht und das Angebot der fachlichen Unterstützung sehr gern angenommen. Mir war von Beginn an klar, dass angesichts der umfangreichen Besetzung sowohl der Gesangspartien als auch des Orchesters eine szenische Aufführung ohne finanzielle Unterstützung nicht möglich sein würde. Deshalb haben wir gemeinsam mit Prof. Rumstadt und mit der Hochschule für Musik Nürnberg an einem Besetzungs- und Aufführungskonzept gearbeitet, das den Vorgaben von Carl Orff Rechnung trägt und noch finanzierbar ist. Der Kulturfonds Bayern hat unseren Förderantrag angenommen und die Carl-Orff-Stiftung sowie die Hans-und-Dorothea-Doleschal-Stiftung haben eine finanzielle Unterstützung zugesagt.

Der erste Kontakt mit dem Werk und die ersten Proben ab Januar 2020 machten allen Chormitgliedern deutlich: es handelt sich um ein sehr außergewöhnliches Werk, dessen Einstudierung mit völlig neuen Anforderungen verbunden ist. Nicht alle Chormitglieder fanden Zugang zu diesem schwierigen Stoff und konnten sich kaum vorstellen, eine szenische Aufführung mitzugestalten. Am Ende waren aber fast 60 Mitglieder des Hans-Sachs-Chores aktiv an den Aufführungen beteiligt.

Es wurden zwei Aufführungen in Nürnberg und im Florian-Stadl des Klosters Andechs geplant. Am 14. März 2020 reisten der Regisseur des Projektes, Prof. Rainer Kotzian und ich gemeinsam mit dem an der Vorbereitung der Aufführung in Andechs beteiligten Carl-Orff-Festival, Florian Zwipf-Zaharia zu einer Ortsbesichtigung, die ergab, dass der vorhandene Platz für eine szenische Aufführung nicht ausreichen würde. Zwei Tage später wurde dann in Bayern der Corona-Lockdown ausgerufen und damit mussten alle Vorbereitungen zwangsweise „auf Eis“ gelegt werden. Die danach geplanten Ersatztermine konnten alle wegen der Corona-Auflagen nicht realisiert werden. Erst nachdem es wieder möglich wurde, normale Proben durchzuführen, wurden neue Aufführungstermine festgelegt: Nürnberg, Meistersingerhalle, am 9. Juli 2023 und Weißenburg in Bayern, Bergwaldtheater, am 15. Juli 2023.

Während der intensiven Proben ab Mai 2023 stellten wir fest, dass die während des Corona-Lockdowns 2020 stattgefundenen Zoom-Proben in den einzelnen Stimmgruppen nicht vergeblich gewesen waren. Bei den ersten szenischen Proben gelang es den Chormitgliedern schon erstaunlich gut, auswendig zu agieren und sehr schnell die Vorstellungen der Regie umzusetzen. Zeitgleich fanden die Proben der Sibyllen, der Anachoreten, des Kinder- und Jugendchores und des Sinfonieorchesters der Hochschule für Musik Nürnberg statt.

Thumbnail imageOrffs Musik
Orffs Stellung in der Musik des 20. Jahrhunderts ist singulär, er gehört keiner „Schule“ oder Richtung an, der Personalstil ist einmalig. Seine Musik wird gemeinhin durch Schlagworte wie „packende Rhythmik“, „eingängige Harmonik“ oder „raffinierte Schlichtheit“ beschrieben. In der Tat sind die pulsierenden Rhythmen und die oft simplen, aber höchst wirkkräftigen Melodiebildungen das Erste, was beim Hören auffällt. Orff setzt viel Schlagwerk ein, er hat gewissermaßen die Grundideen seines Schulwerks ins Künstlerische ausgeweitet. Dabei verzichtet er auf viele Mittel der Kunstmusik, wie etwa Motiventwicklung oder Kontrapunktik, die Musik ist sozusagen unvermittelt da und wird oft auf insistierende Weise wiederholt. Ihre suggestive Wirkung verdankt sie auch dem Einsatz von Stilmitteln „einfacher“ Musik, wie Bordunbegleitung (liegende Bass- oder Akkordtöne), Ostinato (stetige Wiederholung einer musikalischen Figur), dem Rezitieren und Psalmodieren, den Textrepetitionen, der Verwendung alter Skalen (Tonleitern) und anderes mehr – nicht zu vergessen das bayerische Element, besonders auffällig in der Verwendung des „Zwiefachen“ mit seinem Wechsel von Dreier- und Zweierrhythmus. Wichtig ist, dass bei Orffs großen Werken Sprache, Musik und Bewegung eine feste Verbindung eingehen, wobei Ausgangspunkt immer die Sprache ist. Doch es sind Bühnenwerke: Das Element der Bewegung, des Tänzerischen, ist untrennbar mit der Musik verbunden.

Orff verlangt agierende Chöre, die in drei Sprachen singen und sprechen, in Altgriechisch, Latein und Deutsch: vielfach geteilte Frauenchöre (Sibyllen) und Männerchöre (Anachoreten, also Mönche und Eremiten), drei große gemischte Chöre, ein Frauenchor im Orchester (für die Menschen) und ein Knabenchor (Dies illa) – ein Sängeraufgebot mit gewaltigen Herausforderungen. Dann das groß besetzte Orchester: ein gewaltiges Schlagwerk, ergänzt um japanische Tempelglocken und andere exotische Instrumente, 15 Blech- und 13 Holzbläser, drei Harfen, drei Klaviere, Celesta, Orgel. Das gewohnte Instrumentarium des Opernorchesters ist dagegen stark reduziert, zum Einsatz kommen ein Violen-Quartett und Kontrabässe, die selten gestrichen, meistens gezupft oder mit dem Bogenholz bearbeitet werden.

Eine Anmerkung zu Orffs Sprachenvielfalt: Der Komponist war ein zutiefst in humanistischer Bildung verwurzelter Mensch, ein Hin und Her zwischen verschiedenen Sprachen gab es schon in der Carmina Burana. Im heutigen Werk bedeutet die Gleichzeitigkeit der Sprachen die Aufhebung der Zeit: Vergangenes und Gegenwärtiges sind gleichermaßen präsent. Das Griechische kommt aus der größeren Ferne, aus der Welt des Mythos und der Prophetie, Latein ist die Sprache des Christentums, Deutsch schließlich die Sprache des Volkes, also vor allem der angsterfüllten Menschen im Schlussteil.

Orffs Klangmagie resultiert aus der ganz eigenen affektgeladenen Singstimmführung von Chören und Solist*innen und aus der Suggestivkraft der schlagwerkfarbigen Orchestermusik, die auch fernöstliche Mystik, etwa in der Verwendung einer japanischen Tempelglocke, einbezieht: „Sie reicht von flirrenden Klangzügen, harten Interpunktionen und ostinaten Clustern bis hin zu pointilistischen Klangfarbflächen, orchestralen Aufschreien und Klangzeichen als szenische Chiffren“ (Orff-Zentrum München). Bei den Gesangspartien sucht man Melodien im Sinne einer Opernarie vergebens. Die gradlinige Deklamation läuft meist auf ein und derselben Tonstufe oder kreist eng um einen Zentralton.

Dem Violen-Quartett am Ende kommt eine besondere Rolle zu: Im Zusammenspiel mit dem Klang der elf gestimmten Gläser aus dem Schlagzeug schaffen die Violen eine „himmlische“ Atmosphäre. Ein vierstimmiger Kanon der Violen kreist um sich selbst und kehrt im Krebsgang zu seinem Anfang zurück. Sinnbildhaft schließt der 78-jährige Orff seinen ganz persönlichen Kreis: Er erinnert sich an seine Anfänge, als er alte Meister für sich entdeckte und studierte.

Die drei Teile seines 1973 in Salzburg uraufgeführten Werks hat Orff mit den Titeln „Die Sibyllen“, „Die Anachoreten“ und „Dies illa“ versehen. „Die Sibyllen enthalten eine Summe von altgriechischen, jüdischen, hellenistischen und christlichen Vorstellungen. Die Anachoreten-Szene verkündet – frei nach Origenes – die Allversöhnung, die auch für den Teufel gelten soll. Einer der Anachoreten singt den lateinischen Satz: Omnium rerum finis erit vitiorum abolitio, den Orff so übersetzt: ,Das Ende aller Dinge wird aller Schuld Vergessung sein.'  Am Ende steht eben nicht Dies irae (Tag des Zorns), sondern Dies illa (jener Tag). Mit großem musikalischen Getöse tritt Luzifer auf, mit dem die Musik sich auch sofort verändert. Er bekennt dreimal Pater peccavi (Vater ich habe gesündigt) und wird in den Urzustand seines Engelsseins zurück verwandelt. Es folgt die totale Spiritualisierung der Welt. Das Stück endet mit Musik ohne Sprache. Die Zeitlosigkeit des am Ende der Zeiten folgenden Dies illa wird in Töne umgesetzt. Im Hintergrund steht freilich der Choral Vor deinen Thron tret‘ ich hiermit. Hier wird die apokalyptische Musik zu einer Allversöhnung geführt“ (aus: Josef Wohlmuth, Mysterium der Verwandlung. S. 93).

Thumbnail imageResümee
Alle Beteiligten waren froh und glücklich, dieses Projekt realisiert zu haben. Der Aufwand hat sich gelohnt und beide Aufführungen wurden mit viel Beifall und Lob bedacht. Hervorgehoben wurde die wunderbare Umsetzung dieses großen und schwierigen Werkes, die tolle Gemeinschaftsleistung und die spielerische Hingabe.

In der Nürnberger Presse wurde nach der Aufführung eine umfangreiche Besprechung veröffentlicht. Folgender Auszug war zu lesen: „[…] damit hatten sich der Hans-Sachs-Chor, die Gruppe der solistisch agierenden Studentinnen und Studenten der Musikhochschule eine große und szenisch wie musikalisch ganz ungewöhnliche Aufgabe gestellt. Äußerste spielerische Hingabe, hervorragende Deklamation in der Orffschen Klangsprache und sogar das individuell einstudierte Altgriechisch verhalfen diesem Vorhaben zu überwältigenden Momenten: Chorkonzerte können ganz anders sein und einen ziemlich perplex zurücklassen. Der Beifall zeigte: auch begeistert“ (Uwe Mitsching, Nürnberger Nachrichten, 11.07.2023).

Die Leistungen der Studentinnen und Studenten der Hochschule für Musik, der Kinder und Jugendlichen der Kantorei Nürnberg, der Amateursängerinnen und -sänger des Hans-Sachs-Chores sowie des ganzen Vorbereitungs- und Technikteams sind nicht hoch genug zu bewerten, dieses ganz besondere Werk von Carl Orff vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und weltpolitischen Ereignisse aufgeführt zu haben.

Zur Handlung: www.ozm.bayern.de/project/de-temporum-fine-comoedia (Orff-Zentrum München)

Michael Langer, Margit Felscher
04.09.2023

 

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